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Ein Mann ist gestorben, der Unzähligen Freude geschenkt hat: Walt Disney. 65 Jahre alt ist er geworden, 43 Jahre seines Lebens standen im Dienste des Films. Der Anfang war im Reklamefach erfolgt, für das sich der einstige Schüler der Kunstschule von Chicago, seiner Geburtsstadt, als Zeichner zuerst bestimmt glaubte. Nebenher erschienen in den Zeitungen von Kansas City, wo er zunächst sein Brot verdiente, Karikaturen. 1923 siedelte er mit seinem Bruder Roy, der Photograph war, nach Los Angeles über, Hollywood stand damals schon in einer Blüte als Stätte auch des Zeichentrickfilms, durch den dann Disney selbst berühmt wurde. «The Four Musicians of Bremen» war sein erster Film, ein kurzer Zeichentrickfilm (1923), und «The Three Bears», im gleichen Jahr entstanden, machten die Substanz seiner Begabung zum erstenmal gültsg offenbar: sein Talent, durch die karikaturistische Zeichnung von Tieren menschliche Gefühle und Lebensweisen darzustellen. In den folgenden Jahren entstanden jene vielen Tiertypen, in denen Disney menschliches Verhalten charakterisierte: Oswald, der Hase (1926), Mortimer Mouse (1927), die sich im dritten Film der Serie, in «Steamboat Willie» (1928), in die Mickey Mouse, seine berühmteste Figur, verwandelte; «Steamboat Willie» war auch Disneys erster Tonfilm. Der erste farbige Zeichentrickfilm entstand 1934, «The Band Concert» hieß er, und die Mickey Mouse agierte darin als Kapellmeister. Wer aber würde über der Mickey Mouse die anderen Tiertypen vergessen: Donald Duck, den Enterich, Pluto, die Bulldogge, Dumbo, den Elefanten, Bambi, das Reh, Ferdinand, den Stier, und viele andere?

Mit der Mickey Mouse freilich hatte sich Walt Disney unvergeßlich der Welt vorgestellt. Mickey Mouse verkörperte amerikanisches Lebensgefühl, wie es sich selbst versteht: Mut und guten Willen, Optimismus und Aufrichtigkeit, Schalk und Naivität. Die Mickey Mouse wäre allerdings von so frischer Wirkung nicht und hätte die Sympathie in allen ihren Abenteuern nicht so eindeutig auf ihrer Seite, gäbe es zu ihr nicht die Kontrastfigur, den greulichen Kater Felix. Künstlerisch profitierte Walt Disney, als er die Abenteuer der Mickey Mouse entwarf, von dem Umstand, daß er, von 1928 an, Musik und Geräusche verwenden konnte. Indem er Zeichnung und Ton miteinander verband, gewann er seinen Figuren komische Wirkungen ab. Das war denn auch, am Ende der zwanziger Jahre, das Neue, mit dem sich Walt Disney gegen die Brüder Max und Dave Fleischer durchzusetzen vermochte.

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