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Er ist nicht nur einer der besten und routiniertesten Disney-Zeichner Italiens, sondern auch einer der produktivsten: Seit 1951 zeichnet er regelmäßig für Mondadori (wenn auch heute längst nicht mehr so viel wie früher), und dennoch findet er immer noch genügend Zeit, seine eigenen Charaktere zu gestalten. Seine wohl auch in Deutschland bekannteste Serie ist sicherlich Pepito, die in den 70er Jahren von Rolf Kauka vermarktet wurde.
Luciano Bottaro wurde 1931 in Rapallo, einem kleinen Städtchen an der italienischen Riviera, ca. 25 km östlich von Genua, geboren, wo er heute noch lebt. Schon als junger Mann interessierte er sich für die klassischen amerikanischen Serien, und Zeichner wie Floyd Gottfredson (Mickey Mouse), Billy de Beck (Barney Google), F. B. Opper (Happy Hooligan), Bud Fisher (Mutt and Jeff), Pat Sullivan (Felix) oder Rudolf Dirks (Katzenjammer Kids) haben ihn nachhaltig beeindruckt. (Interessant übrigens, daß diese Strips von Benito Mussolini nach Italien importiert wurden. Mussolini, der vor seiner kurzlebigen Karriere als Diktator Journalist war, tauschte seine eigenen Artikel nach Amerika gegen die Abdrucksrechte mit dem zum Hearst-Konzem gehörenden King Features Syndicate. Dieses Geschäft erwies sich nicht nur für die Hearst gehörenden Zeitungen als günstig, sondern auch für Mussolini als ausgesprochen profitabel.)
Nach einer Probe als Zeichner für eine Wochenzeitschrift in Genua fing Bottaro 1951 an, für Amoldo Mondadori zu arbeiten. Schnell wurde er einer der produktivsten Mitarbeiter, fand jedoch trotzdem noch Zeit, für andere Jugendzeitschriften wie La Alpa, La Bianconi oder La Fasani seine eigenen Serien zu zeichnen. Heute noch am beliebtesten ist Pepito der 1951 ins Leben gerufen wurde, gefolgt von Pon Pon (1954), I Postoroci (1957), Whisky & Gogo (1959), Oscar (1960) und Redipicche (1967). Weitere Charaktere und Serien, die seiner Feder entstammen, sind Joe Polpettd, Piper Maiopi, Lola e Otello, Pik e Pak, Papy Papero und viele andere.
Daß eine derartige Menge an Serien nicht von einem einzelnen Mann bewältigt werden kann, liegt auf der Hand. Fester Texter fast von Anfang an war und ist immer noch Carlo Chendi, 1933 in Ferrara geboren und heute im gleichen Haus wie Bottaro wohnend. Zusammen mit Antonio Canale, Enzo Marciante und mehreren anderen sowie mit Giorgio Rebuffi, der viele Serien gemeinsam mit Bottaro gestaltet, leiten Chendi und Bottaro das Studio Bierreci in Rapallo. Bottaros Zeichenstil bezüglich der Disney-Figuren zu beschreiben ist schwer und leicht zugleich. In ihm kommt sowohl ein lebhaftes und oft chaotisches Element zum Vorschein, welches so typisch zu sein scheint für italienische Comics; gleichzeitig wird dieses Moment durch eine ausgesprochen klassische Tuschtechnik und ein fast schon traditionelles Panel-Layout relativiert. Zu Anfang war sein Stil eng an Taliaferro angelehnt, bevor er sich später stärker an Carl Barks orientierte. Typische . Geschichten von ihm sind z. B. Donald und die indianische Erbschaft (Walt Disneys Lustige Taschenbücher 36), Telezauberei (LT 14) oder Träume sind Schäume (LT 27).
Das Interview wurde im Oktober 1982 von Luca Boschi (Pistoia) durchgeführt und erschien in Deutschland erstmals in Der Donaldist Nr. 57/1986. Die Übersetzung aus dem Italienischen besorgte John Dittrich-Johansen.