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Animator, Regisseur, Produzent, Designer, Maler, Historiker, Buchautor, Musiker und leidenschaftlicher Sammler von Spielzeugeisenbahnen und von echten Eisenbahnzügen - das ist Ward Kimball, vielleicht der vielseitigste Mensch, der je für Disney gearbeitet hat. Wie so viele andere Künstler dieser Zeit, so machte auch der am 4. März 1914 in Minneapolis geborene Kimbal seine ersten zeichnerischen Gehversuche mit Hilfe diverser Fernkurse (u. a. bei der Federal School, heute bekannt als Art Instruction School), die zu Zeiten, da die Reisemöglichkeiten zumindest für Jugendlich noch etwas eingeschränkt waren, sich großer Beliebtheit erfreuten. 1934 dann sah er in eine Kino den Disney-Kurzfilm Father Noah ’s Ark.» Ich war beeindruckt, wie sich die Tiere in der Szene, in der sie sich vor der drohenden Katastrophe auf die Arche retteten, bewegten… Giraffen rannten tatsächlich so, wie Giraffen rennen sollten, Nilpferde hoppelten im richtig Tempo entlang, schnellere Tiere überholten die langsameren… Da merkte ich, daß im Zeichentrickfilm doch mehr Möglichkeiten stecken könnten als im Bereich der Illustration und Malerei, in dem ich ursprünglich mich betätigen wollte.«
Schnell stieg der talentierte Ward Kimball bei Disney vom Zwischenphasenzeichner zum Assistant-Animator, Junior-Animator, Animator und Supervising-Animator auf. Als Supervising-Animator hatte er die für die Zeichnungen nötigen Model-Sheets zu entwickeln, die Grundstruktur und den Charakter der Figur also, auf die sich die Animatoren dann beziehen können. Jimini Cricket aus Pinocchio (1940), Tirnothy Mouse und Jim Crow aus Dumbo (194l), Lucifer the Cat und die Mäuse Gus und Jaq aus Cinderella (1950) sowie The Mad Hatter und The March Hare und Tweedle Dum und Tweedle Dee aus Alice in Wonderland(l951) sind längst nicht alle Charaktere, die er im Laufe seiner 4ojährigen Karriere für Disney konzipiert hat - mit Recht wird Ward Kimball als einer der berühmten Nine Old Men genannt, ohne die der Disney-Trickfilm längst nicht seinen Charme und seine Faszination hätte.
Mit 58 Jahren zog Ward Kimball sich vom Zeichentrickfilm zurück, um endlich in Ruhe seinen verschiedenen anderen Interessen nachgehen zu können. So betätigt er sich weiter als Jazzmusiker an der Posaune, schreibt und veröffentlicht Bücher über Kunst und Eisenbahnen, experimentiert weiter mit seinen sogenannten Kinetic-Constructions (kinetische Objekte), stellt in Kunstgalerien aus, unterrichtet an Kunstschulen und hegt und pflegt sowohl seine unzähligen Modelleisenbahnen als auch seine zwei antiken echten Züge, die auf ihrer eigenen Gleisanlage auf dem Gelände seines Hauses (Grizzly Flats Railroad) umherfahren können.
Das Interview wurde am 30. Oktober 1980 in Ward Kimballs Haus in San Gabriel, Cal., aufgezeichnet.
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